R. W. FASSBINDER über Beam Me Up SCOTTY!
Jetzt machen also wieder junge Regisseure Filme in Deutschland,
die versuchen, auf ihre Art auf die Wirklichkeit, die sie sehen,
der sie begegnen, zu reagieren. Ich glaube, dass die (Straßen-)
Bilder schon so gemacht sind, dass sie quasi wie Schwarzfilm funktionieren,
dass man sich die Bilder, obwohl Bilder da sind, noch mal mit einer
eigenen Phantasie und mit einer eigenen Emotion füllen kann.
Wenn die Kamera sich sehr lange um etwas Totes herumbewegt, dann
wird das Tote als tot erkennbar, und dann wird die Sehnsucht nach
etwas Lebendigem entstehen, und man wird sich danach sehnen, mit
dem bürgerlichen Ritual zu brechen. Ich habe auch mal versucht,
einen Film zu machen, der die Künstlichkeit und eine Kunstform
bis ins Äußerste treibt, um sie hinterher vollkommen
in Frage stellen zu können. Ich bin sicher, dass es in der
Filmgeschichte keinen einzigen Film gibt, der so viele Kamerabewegungen,
Kamerafahrten und Gegenbewegungen der Schauspieler enthält
wie dieser. Filme müssen irgendwann einmal aufhören, Filme
zu sein, müssen aufhören, Geschichten zu sein, und anfangen,
lebendig zu werden, dass man fragt, wie sieht das eigentlich mit
mir und meinem Leben aus.
Rainer Werner Fassbinder: Die Anarchie der Phantasie. Gespräche
und
Interviews. Herausgegeben von Michael Töteburg. Ffm.1986
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