Interview von Sandra Schmitz/LizzyNet-Redaktion mit Steve Lem auf www.lizzynet.de
Eine starke Geschichte für starke Mädchen
Vielleicht erinnert sich noch die ein oder andere an Steve Lem!? Im Dezember
haben wir hier sein Buch "Jasmins Abenteuer" vorgestellt. Nun geht
sein nächstes Werk "Sarah Weaver und die durchsichtige Königin"
online. Die Hauptdarstellerin Sarah ist 15 Jahre und stark, fröhlich selbstbewusst,
liebevoll und frech. Aber manchmal fühlt sie sich auch wie das ertrinkende
Mädchen auf ihrem Poster. Als Sarah mit ihrem Vater in ein altes Schloss
zieht, beginnt das Abenteuer. Plötzlich muss Sarah eine geheimnisvolle
Welt retten und auch noch mit ihren Gefühlen zu Eric kämpfen.
Da Steve Lem wieder ein starkes Mädchen als Hauptdarstellerin gewählt
hat, nutzen wir die Gelegenheit, euch den Autor und sein neues Buch näher
vorzustellen.
Du bist eigentlich Drehbuchautor - wie bist du
zum Jugendbuchschreiben gekommen?
Ich habe schon am Theater mit dem Schreiben angefangen, als ich noch als Dramaturg
und Regisseur gearbeitet habe. Jugendbücher schreibe ich erst seit 1 1/2
Jahren, seitdem ich das große Kind in mir entdeckt und gefunden habe.
Bei Sarah Weaver war es seltsam, fast magisch. Sarah ist zu mir gekommen. Ich
habe Sarah nicht gerufen. Eines Tages war sie da, in ihrem Turmzimmer. Sarah
hat Roy Lichtensteins Bild "Das Ertrinkende Mädchen" angeguckt
und da fing die Geschichte wie von selbst an.
Welche Ausbildung hast du gemacht?
Puh! Schule. Abitur. Uni: Germanistik, Philosophie, Pädagogik, Politik,
Musik- und als Gasthörer Theaterwissenschaften, weil ich danach fünf
Jahre an Staats- und Stadttheatern gearbeitet habe.
Wie sieht für dich ein typischer Arbeitstag
aus?
7 Uhr Computer anschalten. 3 Cappuccinos. Mit viel Spaß 30 E-Mails schreiben
oder beantworten. Texte überarbeiten, neue und alte. Gedanken zur Erzählweise
des internationalen Kinofilms SARAH WEAVER AND THE TRANSPARENT QUEEN aushecken,
Filmförderanträge stellen, mit Schauspielern, Komponisten, Script
Consultants oder Lesern das Projekt diskutieren. Nachmittags mit dem Webdesigner
Daniel Hölzel (toll!) die neuen Internetseiten auf www.stevelem.com besprechen
oder neues Material für die Kinofilmproduktion zusammenstellen. Oft geht
der Tag in die Nacht.
In deinen beiden Büchern stehen starke Mädchen
im Mittelpunkt. Das ist für einen männlichen Autor ja eher ungewöhnlich.
Wieso hast du ausgerechnet ein Mädchen zur Hauptdarstellerin gewählt?
Die Mädchen kommen zu mir, ich gehe nicht zu ihnen. Ich fühle mich
beim Schreiben eher wie ein Medium. Wenn man als Vermittler, als Medium schreibt,
ist das eigene Geschlecht nicht so wichtig. Es geht auch nicht darum, was ich
denke, sondern was die Figuren denken-sagen-fühlen. Dabei gibt es manchmal
große Debatten. Ich finde es wichtig, dass es tolle Mädchenfiguren
in Büchern und Filmen gibt. Die Welt wird von zu vielen Männern oder
Jungs regiert, auch in Büchern. Ich finde starke Mädchen toll - besonders,
wenn sie nicht nur stark sind, sondern ihre ureigenen Probleme und Konflikte
haben, wie Sarah, die glaubt zu ertrinken.
Woher nimmst du die Ideen für deine Geschichten?
Woher kommen die Ideen? Gute Frage. Sie kommen aus dem Bauch. Ich arbeite am
liebsten intuitiv und folge meinen Ahnungen wie Sarah.
Schreibst du einfach ,drauf los' oder
steht für dich die ganze Geschichte bereits fest, wenn du ein neues Buch
beginnst?
Die Geschichte wächst im Bauch, Stück für Stück. Es ist,
als ob ich über eine Brücke gehe, die in der Luft schwebt und die
mit jedem Gedanken und jedem Gefühl beim Schreiben wächst, bis ich
über diese Brücke laufen kann. Und andere hoffentlich auch! Ich habe
diese Brücke schließlich für andere gebaut.
Sarah Weaver erinnert ein wenig an "Die unendliche
Geschichte" - ist Michael Ende ein Vorbild für dich?
Wenn "Die unendliche Geschichte", "Harry Potter" und "Im
Namen der Rose" ein Dreieck bilden, dann steht "Sarah Weaver und die
durchsichtige Königin" genau in der Mitte. Ich finde das parallele
Erzählen von zwei unterschiedlichen Handlungen sehr spannend. Eine Traum/Fantasiehandlung
und eine in der Realität ist aufregend. Nichts ist so wie es scheint! Das
ist eine Botschaft in Sarah Weaver. Michael Ende ist kein Vorbild, aber eine
große Anregung.
Du veröffentlichst deine Bücher im Internet.
Wie bist du auf die Idee gekommen diesen Weg zu wählen? Hast du dieses
Medium bewusst ausgewählt?
Ja! Sehr bewusst. Das Internet verbindet die Menschen. Wir wachsen zusammen
und können weltweit Ideen austauschen. Ich suche aber auch einen Verlag
für das Buch!
Planst du in Zukunft noch weitere Jugendbücher?
Ja! Unbedingt! Ich denke schon über den zweiten Teil von Sarah Weaver nach.
Teil II wird noch spannender, aufregender und turbulenter, weil die Leser völlig
neue Seiten von Sarah und ihren Freunden kennen lernen werden und weil Clodiva
- . Nein, mehr verrate ich jetzt nicht!
Welchen Tipp würdest du jemanden geben, der auch
gerne Autor werden möchte?
Schreiben. Schreiben. Schreiben. Und nachdenken. Besonders NACHFÜHLEN.
Es ist am besten, wenn du die Geschichten fließen lässt, aus dir
heraus. Das Wichtigste sind die Charaktere. Je mehr Gedanken du dir über
die Figuren machst und je mehr Konflikte sie haben, desto besser. Und es ist
toll, wenn die Figuren anfangen zu leben und keine Figuren bleiben. Sehr schön
ist es, wenn sich die Personen in den Geschichten verändern, wenn sie wachsen,
lernen und am Ende der Geschichte schönere Menschen sind. Der beste Tipp
für jemanden, der gerne Autor werden möchte: Schreib über das,
was dich am meisten berührt und versuche, deine eigenen Probleme in die
Geschichte hineinzubringen, ohne eine Autobiografie zu schreiben.